Old-School-MMORPGs sterben selten, sie dünnen aus. Ultima Online läuft seit dem 24. September 1997 und bekam 2026 zum 29. Geburtstag Geschenke, einen Live-Stream und ein großes Client-Update in Aussicht. Tibia ist seit Januar 1997 online und erhielt im Juli 2026 ein Sommer-Update mit den härtesten Bossen seiner Geschichte. Wo offizielle Server sterben, übernehmen Fans mit Emulatoren: manche mit Lizenz, manche mit Gerichtsurteil. Diese Übersicht zeigt, welche Klassiker 2026 noch leben, wo es Emulatoren gibt und welche Projekte abgemahnt oder verklagt wurden.
Stand: 29. September 2026
Welche Old-School-MMORPGs laufen 2026 noch?
Die Kurzliste der Überlebenden, geordnet nach Startjahr. Alle Angaben stammen von den Betreibern selbst oder aus Pressemeldungen.
Spiel | Start | Status 2026 | Modell | Deutsch |
|---|---|---|---|---|
Meridian 59 | 1996 | aktiv, Update 1.7.0 im Juni | komplett kostenlos | nein |
Ultima Online | 1997 | aktiv, New Legacy Season 2 in Arbeit | Abo | nein |
Tibia | 1997 | aktiv, Sommer-Update im Juli 2026 | F2P + Premium | ja |
EverQuest | 1999 | aktiv, Remaster „Legends“ seit Juli | F2P/Abo | nein |
Old School RuneScape | 2013 | aktiv, ~250.000 Spieler im April | F2P + Abo | nein |
Dark Age of Camelot | 2001 | aktiv (Broadsword) | Abo | nein |
Anarchy Online | 2001 | läuft, kaum Updates | F2P + Abo | nein |
Meridian 59 ist der Urvater: kommerziell gestartet 1996, ein Jahr vor Ultima Online, und das erste Spiel, für das ihr eine feste Monatsgebühr zahltet. 3DO stellte die Server 2000 ab, ein Entwickler leakte daraufhin die Server-Software. 2012 übergaben die Original-Entwickler Andrew und Chris Kirmse das Spiel der Community: Freeware, Großteil des Codes unter GPLv2 (meridian59.com). Seitdem gibt es Patches – Update 1.7.0 kam am 10. Juni 2026. Komplett kostenlos, ohne Shop, ohne Pay-to-Win.
Ultima Online feierte am 24. September 2026 sein 29-jähriges Bestehen. Betreiber ist Broadsword Online Games, ein Team von rund 14 Leuten, das auch Dark Age of Camelot am Leben hält. Gearbeitet wird an „New Legacy“, einem Regelwerk, das das Gefühl von 1997 zurückholen soll. Season 1 lief 2024, Season 2 ist angekündigt.
Außerdem wird der uralte Classic Client modernisiert: größere Fenster, flüssigere Bilder. Die Beta sollte eigentlich 2026 kommen, dauert aber noch (uo.com).
Tibia kommt aus Regensburg: CipSoft, seit Januar 1997 online, über 32 Millionen angelegte Accounts, rund 25 Millionen Euro Jahresumsatz (Golem).
Das Sommer-Update vom 13. Juli 2026 brachte Bosse, deren Schwierigkeit sich unbegrenzt hochdrehen lässt, plus die stärksten Waffen des Spiels. Von „tot“ keine Spur.
EverQuest läuft als Live-Service weiter. Seit dem 28. Juli 2026 gibt es mit EverQuest Legends sogar einen eigenständigen Remaster: 19,99 US-Dollar Basis, danach 9,99 US-Dollar pro Monat. Der Haken: Laut Betreiber Daybreak läuft das Original „unter nachhaltigen Nutzer-Schwellen“, also mit schrumpfender Basis.
Old School RuneScape ist der Beweis, dass Retro richtig groß gehen kann. Im April 2026 waren rund 250.000 Spieler gleichzeitig online. Die Hälfte der Community stieß erst in den letzten fünf Jahren neu hinzu (Mein-MMO). Grundlage ist ein Spielstand von 2007.
Dark Age of Camelot und Anarchy Online laufen beide noch, aber auf Sparflamme. Anarchy Online feierte 2026 sein 25-jähriges Bestehen und ist laut Funcom-Mitgründer Jørgen Tharaldsen „weiterhin operativ und profitabel“. Große Content-Updates gibt es seit Jahren keine mehr.
Wo gibt es Emulatoren und Privatserver?
Fast überall. Emulatoren für MMORPGs sind Server-Software, die den Original-Gameserver nachbaut. Eure Client-Daten braucht ihr trotzdem, und genau da wird es rechtlich eng.
Die bekanntesten Szenen im Überblick:
- Meridian 59: Nach dem Shutdown 2000 leakte ein Entwickler die Server-Software, seither laufen Community-Server. 2012 wurde das Spiel selbst unter GPLv2 open source; die Community-Edition gibt es auf openmeridian.org.
- Ultima Online: RunUO und sein Nachfolger ServUO sind die Basis für Dutzende Fan-Shards. UOServers listet 69 aktive Server mit zeitweise über 7.000 gleichzeitigen Spielern.
- EverQuest: EQEmulator ist die Open-Source-Basis. Project 1999 spielt den Stand von 1999 nach und hat dafür eine schriftliche Vereinbarung mit Daybreak als gemeinnütziges Fan-Projekt (Gerichtsdokument). Project Quarm hat einen ähnlichen Deal.
- City of Heroes: Nach dem Shutdown 2012 und einem Source-Leak 2019 entstanden mehrere Fan-Server. Der größte, Homecoming, bekam im Januar 2024 eine offizielle Lizenz von NCSoft (MassivelyOP).
- World of Warcraft: Die größte Privatserver-Szene überhaupt. Kern ist Server-Software wie TrinityCore als Framework, darauf bauen Projekte wie Turtle WoW auf.
- Star Wars Galaxies, Warhammer Online, ToonTown: klassische Fälle von Emulator-Projekten für längst abgeschaltete Spiele, die Fans über Jahre am Leben halten.
Welche Emulator-Projekte haben rechtlich Probleme bekommen?
Die Rechtsfälle, chronologisch. Alle sind US-Verfahren, prägen aber die Szene weltweit.
Dolphin (2023): Nintendo beschwerte sich bei Valve. Der geplante Steam-Release des GameCube-und-Wii-Emulators wurde gestoppt. Das Projekt selbst wurde nicht verklagt, der Druck reicht offenkundig.
Yuzu und Citra (2024): Nintendo verklagte die Switch-Emulator-Macher. Der Vergleich vom März 2024 kostete 2,4 Millionen US-Dollar, Yuzu und der 3DS-Emulator Citra von denselben Entwicklern wurden eingestellt. Das Gericht folgte Nintendos Lesart, Yuzu sei „in erster Linie darauf ausgelegt, Kopierschutz zu umgehen“ (Ars Technica).
The Heroes' Journey (2025): Der EverQuest-Emulator nahm über „Spenden“ rund 100.000 US-Dollar im Monat ein, laut Gericht ein getarntes Geschäftsmodell. Im September 2025 erzwang eine einstweilige Verfügung das Aus. Daybreaks Anwälte sagten vor Gericht, das Projekt habe dem Original rund 36 Prozent der monatlichen Nutzer abgezogen.
Turtle WoW (2025/2026): Blizzard verklagte den größten Vanilla-WoW-Privatserver im August 2025. Im April 2026 folgte die dauerhafte Unterlassungsverfügung: kein Betreiben, kein Nachfolgeprojekt, keine Übergabe an Dritte (PCGamesN). Das Urteil verbietet ausdrücklich auch den geplanten Unreal-Engine-5-Remaster „Turtle WoW 2.0“. Ein Vergleich sollte bis Juni 2026 folgen.
Warum sind Emulatoren legal, Privatserver aber meist nicht?
Die Linie läuft mitten durch die Technik.
Der Emulator selbst, also die Software, die Hardware oder einen Server nachbildet, ist in Deutschland grundsätzlich legal. Das gilt für Konsolen-Emulatoren genauso wie für nachprogrammierte Gameserver.
Problematisch sind die Inhalte:
- Client und Assets: Spiel-Client, Grafiken, Musik und Code dürft ihr nicht verbreiten, auch nicht modifiziert. Genau das warf Blizzard Turtle WoW vor: ein verteilter, gepatchter WoW-Client.
- ROMs und ISOs: Herunterladen aus dem Internet ist auch bei Besitz des Originals nicht legal.
- Kopierschutz: Backups dürft ihr nur anlegen, ohne wirksamen Schutz zu umgehen. Nach der Rechtsprechung des BGH (I ZR 124/11) greift § 95a UrhG auch bei Videospielen. Yuzu wurde in den USA genau darüber kartoniert: Der Emulator lief nur mit unerlaubt integrierten Schlüsseln.
- Login-Systeme: The Heroes' Journey leitete Verbindungen auf eigene Server um und umging die Login-Prüfung. Für das Gericht ein Verstoß gegen die US-Anti-Umgehungs-Regeln (DMCA).
Für euch in Deutschland heißt das: Emulator nutzen ist okay. Originale Dateien müssen von eurer eigenen Konsole oder eurem eigenen Account kommen. Wer einen Server betreibt, braucht die Erlaubnis des Rechteinhabers. Sonst droht das, was Turtle WoW und The Heroes' Journey passiert ist.
Wo gibt es legale Fan-Server?
Drei Beispiele zeigen, dass es auch anders geht. Project 1999 (EverQuest) hat eine schriftliche Vereinbarung mit Daybreak, ausdrücklich gemeinnützig und fan-basiert. Project Quarm hat einen ähnlichen Deal und durfte nach dem THJ-Urteil weiterlaufen. City of Heroes: Homecoming spielt seit Januar 2024 mit offizieller NCSoft-Lizenz, komplett kostenlos, mit rund 30.000 monatlich aktiven Spielern.
Das Muster: nicht-kommerziell, transparent, im Gespräch mit dem Rechteinhaber. Sobald Geld fließt, ob über „Spenden“ für Spielwährung wie bei THJ oder über bezahlte Zugänge, kippt die Lage. NCSoft und Daybreak haben vorgemacht, dass Lizenzen möglich sind. Blizzard und Nintendo fahren die harte Linie.
Lohnt sich der Einstieg 2026 noch?
Für Nostalgie-Rückkehrer: ja, bei den richtigen Titeln. Old School RuneScape hat eine riesige, wachsende Community. Tibia wird aktiv entwickelt und spricht seit dem Tutorial-Update auch Neueinsteiger an. Ultima Online ist ein lebendes Museum mit überraschend viel Aktivität rund um New Legacy.
Zwei Haken solltet ihr kennen. Die meisten Klassiker haben keine deutschen Texte; wer nicht fließend Englisch liest, ist außen vor. Und Einsteigerfreundlichkeit sieht anders aus: kein Matchmaking, keine Questpfeile, Handbuch-Stoff. Wer genau das sucht, findet in unserer MMORPG-Kategorie mehr zu den einzelnen Spielen.
Falls ihr stattdessen Konsolen-Retro zocken wollt: Der Emulator dafür ist legal, die Spieldateien müssen aber von euch sein. Was genau erlaubt ist, klären wir in einem eigenen Guide zur Emulatoren-Rechtslage.
